4/r9BJ9o3L3IECWxgXlUgxP-jkfpiHEK82IzwdT-28vbYBlog - gesellschaftskritische Literatur

Bücher, Literatur, Erotik, Gesellschaft

hier gehts weiter zur erotischen Literatur
17. März 2018

Traum im Polarnebel

Traum im Polarnebel Von Juri Rytchëu Unionsverlag 2005, übersetzt von Arno Specht, 369 Seiten Der Roman vereint sinnliche Sprache, liebevoll intensive Erzählweise aus dem Land der Tschuktschuken, ein Land an der Beringstraße im Osten Sibiriens, Abenteuer eines Weißen in einer ihm fremden Kultur, Weisheit und den tiefen Einblick in die Lebensweise von Menschen, die in Kälte und Eis ihr Überleben meistern. Der Roman ist kein erotischer Roman, aber ähnlich wie ich Erotik definiere, ein sinnliches Vergnügen, insbesondere wegen seiner bildhaften Sprache und intensiven Erzählweise. Er ist leise, kritisch, macht nachdenklich und gleichzeitig ist er ein spannendes Abenteuer. Protagonist John MacLennan zerschmettert sich beim Versuch, das amerikanische Schiff aus dem Eis zu befreien, beide Hände. Die Tschuktschuken Orwo, Armol und Toko retten ihm das Leben, in dem sie ihn der Schamanin Kelena anvertrauen. John überlebt, aber sein Schiff hat die Küste vor Enmyn verlassen. Er lebt von nun an bei Toko, dessen Frau Pylmau und Sohn Jako. Orwo näht ihm Handhilfen und John wächst in das Leben eines tschuktschukischen Jägers hinein. Als Toko stirbt, heiratet er Pylmau und gründet selbst eine Familie. Immer wieder ist er Prüfungen in Begegnungen mit der russischen und amerikanischen Welt ausgesetzt, am Ende sogar in der […]
16. Januar 2018

Mein Leben ist mein Sonnentanz

Mein Leben ist mein Sonnentanz Leonard Peltier Übersetzt von Katrin Ehmke, Verlag Zweitausendeins 1999 Ich habe dieses Buch gelesen, weil ich selbst plötzlich unschuldig einer Straftat beschuldigt wurde. Ich wurde auf der Straße vorsätzlich angegriffen, also getreten und geschlagen und später wurde das alles herumgedreht gegen mich, vorhandene Zeugen wurden gar nicht ermittelt und nicht gehört und der Täter selber stellte sich unter Zeugenaussage seiner Ehefrau (die einzige Zeugin, die zugelassen wurde) als Opfer dar, mit Lügen, die beweisbar überhaupt nicht stattgefunden haben. In dieser Zeit, die sich wegen der ständigen Verschiebung von Gerichtsterminen in die Länge zog mit Uneinsichtigkeit der Staatsanwaltschaft und des Gerichts brauchte ich dringend innere Unterstützung, um nicht dauergestresst zu sein. Schließlich bin ich nicht der einzige Mensch auf Erden, dem eine solche Ungerechtigkeit widerfährt. Ich wollte wissen, wie machen andere Menschen das und da las ich das Buch von Leonard Peltier, das mir sehr geholfen hat. Zunächst vorab: Ich finde es unfassbar, dass ein Mensch wie Leonard Peltier seit nunmehr 41 Jahren unschuldig in Haft verbringt, trotzdem sich Millionen Menschen für ihn eingesetzt haben. Präsidenten kamen und gingen. Niemand hat sein Gnadengesuch anerkannt. Mir ist klar, dass der Abbau von Bodenschätzen ein hart umkämpftes Gut […]
27. November 2017

Club der roten Bänder

Albert Espinosa, Club der roten Bänder, Goldmann, 2013 übersetzt von Sonja Hagemann Da zu meinen Alltagsbeschäftigungen nicht das Fernsehen gehört, entdeckte ich zuerst das Buch von Albert Espinosa. Mittlerweile bin ich genauso begeistert von der TV-Serie, deren dritter Teil zur Zeit läuft und auf den wir sehnsüchtig gewartet haben. Dennoch ist das Buch anders. Für diejenigen, die die Geschichte nicht kennen: Albert Espinosa erkrankte mit vierzehn Jahren an Knochenkrebs und verbrachte zehn Jahre seines Lebens im Krankenhaus. Die Ärzte glaubten, er werde sterben, aber mit vierundzwanzig wurde er als geheilt entlassen. Die Geschichte ist zwar autobiographisch, aber sie ist viel mehr als das. „Gegen Krebs hilft kein Buch. Das ist kein Selbsthilfebuch.“ Aber was ist es dann? „Es ist vor allem ein Buch, in dem ich von den „Gelben“ rede.“ Und so habe ich mich auf die Suche nach den Gelben und dem Gelben in dem Buch begeben und das war spannend wie ein Krimi. Albert Espinosa hat in der Zeit, in der er ein Bein, einen Lungenflügel, eine Leber verloren, außerdem Chemotherapien und unzählige Untersuchungen durchgemacht hat, dreiundzwanzig Erkenntnisse gewonnen, die die gelbe Welt ausmachen. In dem Buch wendet er sich direkt an den Leser, denn die Anwendung auf […]
20. November 2017

Honigkuss

Salwa El Neimi, Honigkuss, übersetzt von Doris Kilias, Hoffmann und Campe, 2008, 125 Seiten Meist diskutieren wir über die gesellschaftlichen Tabus, die Bestrafungen der Frauen und die Verhüllungen, wenn wir arabische Welt sagen und islamische Welt meinen. Aber, ebenso wie in China und Indien hat die arabische Kultur alte Denker und Gelehrte, die erotische Bücher verfassten und dabei sehr ins Detail gingen. Wenn man Honigkuss liest, fließt man nicht nur in eine wunderschön geschriebene erotische Geschichte, sondern kommt auch in Berührung mit Gelehrten wie Mohammed Ibn Zakarija, Ibn Al Azrak, Ibn-Arabi, Al-Djahiz, Achmed Ibn Jussuf al-Tifaschi, Ali Ibn Nasr, al-Samual Ibn Jachja, Nasr al-Din al-Tusi, Mohammed al-Nafzawi, Achmed Ibn Sulaiman, Ali al-Katibi-al-Kazwini, al-Sujuti, al-Tidjani und auch einer weiblichen Gelehrten, Al Alfija. Al-Alfija wird auch „die Tausenderin“ genannt. „In den Büchern heißt es wortwörtlich: Sie hat tausend Männer gevögelt.“ Al Alfija war ebenso wie ihre Kollegen Gelehrte für das Liebesleben. Sie und ihre männlichen Kollegen lehrten nicht nur die verschiedenen Stellungen, die Reaktionen des Partners und die konkrete Benennung der sinnlichen Organe, nein, sie lehrten ebenso wie man das Herz des anderen erobert, wie man erkennt ob ein erotisches Interesse besteht, wie man behutsam und liebevoll miteinander umgeht, damit der sexuelle […]
13. November 2017

Ein Himmel

Ein Himmel voller Sterne von Marie-Sabine Roger, übersetzt von Claudia Kalscheuer, Atlantik 2017 Erst war ich sehr glücklich mit diesem Buch, das ich in der Buchhandlung beim Stöbern fand, denn in der Regel finde ich meine Bücher eher beim gründlichen Recherchieren als beim spontanen Besuch in einem Laden. Ich mochte die Sprache und die Art, wie die Figuren eingeführt werden. Ich mochte diese witzige ironische Art des Protagonisten, Merlin, mit dem Leben umzugehen. Ich mochte seine Ehefrau, Prune, die mit ihrem ungewöhnlichen Lebensstil bunte Lebendigkeit verströmt. Gleich am Anfang kauft das Paar ein altes ehrwürdiges Haus auf dem Land: „Wir waren übermütig wie junge Fohlen, völlig aufgedreht. Wir würden Fenster und Türen in die Mauern brechen, Gauben in die renovierten Dächer einfügen, Tauben fliegen lassen, …, eine Veranda bauen, …, Luft und Licht in Strömen.“ Merlin aquarelliert Vögel für ein Naturkundebuch und zeichnet Comics. Der Roman ist durchsetzt von amüsanten inneren Monologen, in denen er Menschen, die ihm gerade begegnen, zeichnet. „Prune, ein Riesenschälmesser in der Hand, schält wie wild alles, was ihr in die Hände fällt. Vor ihr auf dem Tisch ein Haufen Gemüse und Abfälle. Der Kater Pantoffel versteckt sich mit frisch geschältem Schwanz beleidigt hinter den Regalen.“ […]
7. November 2017

Was ist erotisch?

Erotische Literatur Ja. Doch. Ich schreibe erotische Literatur. Warum? Na, weil ich das kann und es in den Büchern vermisse. Nein, erotische Literatur ist keine Pornographie, auch wenn es Menschen gibt, die das gleichsetzen. Das lässt sich schlicht unter Missverständnis buchen und solche gibt es viele auf der Welt. Ich habe keine Zeit, mich mit diesen zu befassen. Ich habe Wichtigeres zu tun. Und dass sich manche Bücher den Untertitel erotische Literatur geben, bedeutet nicht, dass da auch mehr als nur die pure langweilige Pornographie drin steht. Was aber ist dann erotische Literatur? Die Erotik jedenfalls, die ich meine, ist bar jeder Sichtweise der Frau als Objekt, das mal als erstes. Es ist die reine Selbstbestimmung. Es ist eine friedfertige Begegnung von Menschen, bei mir doch meist hetero, und damit ein friedlicher Beitrag zum Miteinander von Frauen und Männern. Es verletzt niemand und darin liegt das Glück geborgen. Nun wurde mir gesagt, ich dürfe sowas nicht schreiben, weil ich dafür sei, Flüchtlingen zu helfen. Was eine Verbindung! Und dass ich in Saudi-Arabien gesteinigt würde. Wobei – das muss dazu gesagt werden – Saudi-Arabien mit der gesamten arabischen Welt gleichgesetzt wurde. Darüber kann ich nur den Kopf schütteln. Sogleich lese ich […]
6. November 2017

Die Schiffbrüchige

Ali Zamir: Die Schiffbrüchige, übersetzt von Thomas Brovot, Eichbornverlag 2017, 254 Seiten gelesen für litnity www.litnity.com Ich habe dieses Buchpaket geöffnet und in einer Nacht verschlungen. Warum ist das so? Ich liebe poetische Sprache, ungewöhnliche Metaphern, Bilder, mit Worten geschaffen, die Blicke in das Innere menschlichen Lebens gewähren und das auch noch auf sinnliche Art und Weise. Autoren, die das können, sind für mich glänzende Juwelen am Literaturhimmel und genau das kann Ali Zamir. Der Ort der Handlung ist die Insel Anjou, die zu der Inselgruppe der Komoren gehört. Die Inselgruppe liegt zwischen Madagaskar und dem afrikanischen Kontinent. Dort wird vieles angebaut, was unsererseits gerne importiert wird wie Kakao, Vanille, Ylang Ylang, Bananen. Wir riechen also beim Lesen die Insel, wir hören ihre Geräusche, wir fühlen mit und später spüren wir ebenso das nahe Europa, das für einige Menschen dort der Inbegriff für Freiheit ist. Das Besondere an dieser Insel ist nämlich, dass sie in der Nachbarschaft der Insel Mayotte liegt, die zu Frankreich gehört und somit zur EU. Ich kann hier nicht alles erzählen, was zu den Hintergrundinformationen gehört, die man zum Teil beim Lesen des Buches unaufdringlich und sinnlich erzählt bekommt und die ich zum anderen Teil aus […]
30. Oktober 2017

Murakami: Südlich der Grenze, westlich der Sonne

Neugierig wurde ich auf das Buch von Haruki Murakami durch den Streit zwischen Marcel Reich-Ranicki und Sigrid Löffler, der im Jahr 2000 die legendäre Sendung „das literarische Quartett“ beendete. Neugierig war ich auch auf den Satz, den Frau Löffler damals bedeutungsschwanger zitierte: „Ich wollte sie bis zur Hirnerweichung vögeln.“ Zwar kommt der Satz in dem Buch aufgrund der neuen Übersetzung des ehemals unter dem Titel „Gefährliche Geliebte“ erschienenen Buches nicht mehr vor, aber trotzdem kann sich jeder vorstellen, an welcher Stelle der Satz wohl gestanden hat. Ich persönlich sehe – im Übrigen ganz anders als die genannten Literaturkritiker – die Stärke und das wunderbare Literarische an dem Roman in der Darstellung der Leere und der Unfähigkeit, sich mitzuteilen, die der Protagonist über die Jahrzehnte in sich trägt. Die kurze Zeit, in der er sich diese Leere auflöst, sind verknüpft mit dem Kontakt zu seiner Kindheitsliebe Shimamoto und den wenigen Jahren, in denen er Neues entdeckt und aufbaut. Einsetzend mit der Geburt des Protagonisten Hajime „… an meiner Herkunft (war) nichts Bemerkenswertes. Mein Vater arbeitete in einem großen Wertpapierhaus, und meine Mutter war Hausfrau. .. Meine Eltern gehörten der Generation an, die durch den Krieg am meisten gelitten hatte… Als ich […]
23. Oktober 2017

Wut ist ein Geschenk

Ich möchte an dieser Stelle auch Bücher besprechen über Menschen, die mich in besonderer Weise in meinem Leben begleitet haben, einer davon ist schon immer Mahatma Gandhi, der zu seinen Lebzeiten Großartiges bewirkt hat und dem jede Art von Verachtung fern war. Auf diese Art fühle ich mich mit ihm verbunden. Abgrenzung und Verachtung beschreibt Arun Gandhi in seinem Buch „Wut ist ein Geschenk“ als einer der Grundsteine für Hass, Krieg und Terror. Von seinem Großvater, Mahatma Gandhi erzählt er, dass er ein sehr einfaches Mittel eingesetzt habe, um zu überprüfen, ob sein eigenes Handeln richtig war oder falsch „Er sagte, wer zweifle, solle sich das Gesicht der ärmsten oder schwächsten Person vorstellen, die er je gesehen habe, und sich dabei fragen, ob der Schritt, den man sich überlege, ihr oder ihm irgendeinen Nutzen brächte. Wird dieser Schritt helfen, mehr Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen, mehr Würde oder swaraj (Selbstbestimmung)?“ Das Besondere an dem Buch von Arun Gandhi ist die liebevolle Verbindung mit seinem Großvater, Mahatma Gandhi, mit dem er einige Jahre in seiner Kindheit und Jugend gelebt hat. Arun wuchs wie sein Großvater in Südafrika auf. Er war als Kind ähnlich wie Mahatma sehr wütend und so […]
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