4/r9BJ9o3L3IECWxgXlUgxP-jkfpiHEK82IzwdT-28vbYClub der roten Bänder - gesellschaftskritische Literatur
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Albert Espinosa, Club der roten Bänder, Goldmann, 2013 übersetzt von Sonja Hagemann

Da zu meinen Alltagsbeschäftigungen nicht das Fernsehen gehört, entdeckte ich zuerst das Buch von Albert Espinosa. Mittlerweile bin ich genauso begeistert von der TV-Serie, deren dritter Teil zur Zeit läuft und auf den wir sehnsüchtig gewartet haben. Dennoch ist das Buch anders.

Für diejenigen, die die Geschichte nicht kennen: Albert Espinosa erkrankte mit vierzehn Jahren an Knochenkrebs und verbrachte zehn Jahre seines Lebens im Krankenhaus. Die Ärzte glaubten, er werde sterben, aber mit vierundzwanzig wurde er als geheilt entlassen. Die Geschichte ist zwar autobiographisch, aber sie ist viel mehr als das.
„Gegen Krebs hilft kein Buch. Das ist kein Selbsthilfebuch.“ Aber was ist es dann? „Es ist vor allem ein Buch, in dem ich von den „Gelben“ rede.“ Und so habe ich mich auf die Suche nach den Gelben und dem Gelben in dem Buch begeben und das war spannend wie ein Krimi.

Albert Espinosa hat in der Zeit, in der er ein Bein, einen Lungenflügel, eine Leber verloren, außerdem Chemotherapien und unzählige Untersuchungen durchgemacht hat, dreiundzwanzig Erkenntnisse gewonnen, die die gelbe Welt ausmachen. In dem Buch wendet er sich direkt an den Leser, denn die Anwendung auf das Leben hinterlasse Spuren, „damit du deine eigene gelbe Welt erschaffen kannst.“ Es gibt also sieben Geheimnisse des Glücklichseins zu entdecken und dreiundzwanzig Erkenntnisse, die man aber niemals unhinterfragt einfach hinnehmen sollte, so ist sehr wichtig, immer wieder Fragen zu stellen und „nein“ zu sagen, sich Dinge zu wünschen, mit der eigenen Wut umgehen zu lernen, die eigene Einzigartigkeit zu teilen und sich selbst zu befriedigen.

Wer sind aber die „Gelben“? „Ich habe noch nie verstanden, warum das Konzept der Freundschaft sich nicht weiterentwickelt hat.“ „Bettnachbarn sind wie Brüder für ein paar Stunden, Tage oder Monate. Sie sind mögliche „Gelbe“. Spannend fand ich, ein neues Dasein zu entdecken, das mehr und anders ist als Freundschaft, Beziehung, Verwandtschaft oder Liebe.

„Im Krankenhaus bin ich vielen Gelben begegnet… Ich konnte nicht begreifen, wie mir ein Unbekannter,…, plötzlich so vertraut sein und meine Probleme besser nachvollziehen konnte als jeder andere auf der Welt … Sie bleiben einen Moment und ziehen dann weiter, um Gelbe von jemand anderem zu werden… Dieses Gefühl, dem anderen nichts schuldig zu sein, ist in der gelben Welt ganz entscheidend.“

Wer jetzt meint, ich hätte die Geheimnisse schon verraten und die Welt der Gelben dargestellt, der irrt. Das Buch „Club der roten Bänder“ ist ganz anders als die Serie. Es ist mehr eine Philosophie in der autobiographischen Geschichte. Es ist ein weises, lebendiges Buch, bei dem Lachen und Weinen sehr nah beieinander liegt und das auf vielerlei Arten berührt. Es ist sehr lesenswert.

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