4/r9BJ9o3L3IECWxgXlUgxP-jkfpiHEK82IzwdT-28vbYSonne - gesellschaftskritische Literatur

Sonne Mond und Sterne
Was man von Steinen lernen kann und weshalb Menschen auf dem Meeresboden leben

steine
„Wir sehen ja nur die Oberfläche der Erde und glauben doch die Erde gut zu kennen“, so Franz Dietrich Oeste, der einmal im Monat am Sonntag durch seinen geologischen Garten in Münzenberg führt. In einer kleinen Senke unterhalb des ehemaligen Vulkans Münzenberg, die der Chemiker und Geologe wie ein Amphitheater gestaltet hat, lässt sich die Geomorphologie der Erde studieren. Steinhaufen, Geröll, Gesteinsbrocken und bizarre Gebilde schaffen eine skurrile Kulisse für die spannende Geschichte unserer Erdkugel.
Rund 4,6 Milliarden Jahre alt ist der Untergrund, auf den die Menschen täglich ihre Füße setzen, aber Thorium hat eine Halbwertszeit von 12,5 Milliarden Jahren. Thorium ist ein radioaktives Metall, das auf der Erde viel häufiger vorkommt als beispielsweise Uran. Wissenschaftler nehmen an, dass die Geburt der Erde auf den Zusammenprall mehrerer Meteoren zurückgeht, dabei wurde es extrem heiß. Heute befindet sich im Erdkern festes Eisen, das umgeben ist von einer Eisenschmelze mit konstant 5.000 Grad Celsius. All dies befindet sich unterhalb der Erdkruste, die sich in Zentimetern pro Jahr bewegt wie ein Gletscher den Berg hinunterwandert.
Aber dem nicht genug, kommt der heiße Schmelz auch noch nach oben, da warmes Material leichter ist als kaltes, steigt es auf. Unter der Erdkruste beginnt es zu schmelzen, da wo geringer Druck herrscht. Schwammartig sammelt sich die Schmelze, es bilden sich Kammern, ein Vulkan entsteht. Die meisten dieser Feuerspucker befinden sich auf den mittelozeanischen Rücken, also im Meer. Man nennt sie auch Basaltvulkane (Hawaii, Island, Reunion), allerdings ist deren Material flüssig. Richtig gefährlich sind die anderen, die durch die wieder absinkende Schmelze entstehen. Denn das heiße Material kommt hoch, kühlt sich ab und sackt nach unten, es bilden sich tropfenartige Gebilde. Absinkende Schmelze enthält Kieselsäure, deswegen werden sie auch saure Vulkane genannt. Der saure Vulkanismus ist zähflüssig und wird deswegen das Gas nicht los. Die Ungetüme neigen zu Explosionen, insbesondere im Pazifik findet man solche tobenden Kegel wie den Cacatao.
Tatsächlich gibt es auf unserer Erdkugel ca. 1.900 aktive Vulkane, manch einer der Feuerrachen jedoch ist tausende von Jahren inaktiv und bricht urplötzlich aus.
Die vulkanischen Gerölle im geologischen Garten Münzenberg sind aus Hessen. Der größte Teil sogar aus der näheren Region. Griedel, Münzenberg, Rockenberg, Niederkleen liest man an den Aufschriften. Sämtliche Sorten Vulkanismus haben wir auch in Hessen, referiert Franz Oeste. Die meisten davon sind Basaltvulkane, aber auch Relikte von saurem Vulkanismus wurden gefunden. Entlang eines vulkanischen des Grabens entstanden aktive Vulkane im heutigen Hessen.
Der letzte Vulkanausbruch in Deutschland spuckte vor rund 10.000 Jahren und zwar in der Eifel, die Asche flog bis Skaninavien, in Marburg landete ein halber Meter Asche. Auch Münzenberg war ein Vulkan, allerdings ein kleiner Basaltvulkan, der Taunus ist verglichen mit dem Münzenberg ein junges Gebirge. Taunus und rheinisches Schiefergebirge sind abgeschrappte Ozeanböden, aus diesem Grund lassen sich auf den höchsten Bergen Muschelreste finden.
Zwischen Taunus und Münzenberg zog sich ein Ozean, der verglichen mit anderen Ozeanen sehr flach war (rund 3.000 Meter). Taunusquarzit entstand am Rande des Ozeans in Strandnähe, wo Flüsse Sand abluden, aber in der Tiefe, entstanden andere Gesteine, zum Beispiel der Diabas. Nicht selten werden aus Diabas Grabsteine gehauen. Der Stein entstand im Paläozoikum (vor bis zu 542 Millionen Jahren). Der Fachmann weist auf die algengrünen Stellen im dunkelgrauen Stein. Das modrig Grüne sei Serpentin, das Asbest enthält. Das giftige Zeug entsteht, wenn der heiße Schmelz, der beim Aufsteigen rund 1.200 Grad misst, mit kühlem Meerwasser in Berührung kommt, ein Druck 300 bar drückt auf den Stein, eine Kruste entsteht, das Material wandelt sich. Wasser, so lernen die Zuhörer, benimmt sich bei 400 Grad ganz anders als wir das gewohnt sind. Es wird zum organischen Lösungsmittel. Wasser löst bei diesen Temperaturen Kieselsäure, die am Meeresboden als Mineralquellen wieder aufsteigt wie schwarzer Rauch.
Schwarzer Rauch enthält Metallsulfide, Nickel, Kupfer, Eisensulfide, die dann im Meerwasser oxidieren. Aus diesem Grund findet man den Stein Diabas in der Nähe von Mineralquellen.
Weiß wie Schnee, Rot wie Blut und Schwarz wie Ebenholz ist der Jaspisachat, ein bunter Halbedelstein, den man in der Nähe von Mineralquellen findet. Er ist zusammengesetzt aus weißem Quarz der aus den abgekühlten Mineralquellen entstand, rotem Eisen, schwarzem Mangan und reduziertem grünem Eisen. Das Eisen kam aus dem Diabas, Schichtungen entstehen durch Phytoplankton (Kieselalgen), die in Millimetern pro Jahre herunterrieseln. Eine winzige Schichtung kann bis zu 30.000 Jahren gedauert haben. In dem Stein kann der Wissenschaftler einzellige Meeresbewohner aus Urzeiten bestimmen. Den Halbedelstein findet man im Lahn-Dill-Kreis und Nordhessen. Auch sehr dunklen Rauchquarz findet man in der Nähe von Mineralquellen. Einige dieser Wassersprudel enthalten viel Radium und Radol, so auch die Rosbacher Quelle.
Besonders für die Wetterauer Gegend sind die vielen Mineralquellen, die im Rahmen des Vulkanismus entstanden sind. Die Bewegungen des Gebirges halten seit 65 Millionen Jahren (Erdneuzeit) an, auch die Mineralquellen laufen seither. Nichts Wesentliches sei inzwischen passiert, was die Quellen hätte aufhalten können, so Oeste. Im Wasser befinden sich Gase von damaligen Vulkanausbrüchen. Tatsächlich sind Mineralquellen Ausdruck vulkanischer Aktivitäten. Auf seinem Weg nach oben löse das Mineralwasser Salze, aus diesem Grund gebe es in der Region Salzvegetation wie an der Nordsee. Mineralwasser enthält Stoffe wie Eisen, Zink, Arsen, Blei, Quecksilber und Kupfer. Wenn man das Eisen mit Hilfe von Sauerstoff aus dem Wasser löst, bindet es die Gifte an sich, so dass das Wasser trinkbar wird. In der Rockenberger Sandgrube findet man schwarze und braune Ränder, die durch Eisenoxydation beim Zusammentreffen aeroben und anaeroben Wassers vorkommt, der entstehende Eisenschlamm dichtet ab wie eine Art Schornstein. An diesen Rändern entstehen Quarzite (Tertiärquarzite), praktisch liegen diese an der Grenze zwischen Mineral- und Süßwasser. Auf der Mineralwasserseite aber scheidet sich Baryt ab. Baryt kennen die meisten Menschen beispielsweise durch die berühmten Sandrosen, feinere Strukturen finden sich in Rockenberg, gröbere in Münzenberg. Entstanden sind diese Sandrosen also durch die Ablagerungen an Mineralquellen im 20 Millionen Jahre alten Meeressand.

Skurrile Welten
Die Besucher wandern von Haufen zu Haufen und wundern sich. Nicht wenige der harten Fundstücke stammen vom Meeresboden, andere wiederum sind kontinental, hier und da haben sich Spuren von Urholz eingegraben und Tiere sollen außerdem nachweisbar sein. Gerölle bildeten sich an den Ozeanrändern zu Grauwacke. Je stärker die Kristallisation je stärker werden die Brocken, so entstanden harte Quarzite, die überall in Hessen zu finden sind. Relikt von Ozeanriffen ist Marmor, im hessischen Marmor findet man Korallen, Reste davon liegen in Langgöns und Niederkleen. Die hessischen bunten Marmore waren weltweit gefragt, so baute man damit U-Bahnhöfe in Moskau und London oder das New Yorker Empire State Building.
Bei Basalt könnte man meinen, er sei erst gestern erstarrt, aber der Schein trügt, seit 18 Millionen Jahren liegt Basalt in Hessen herum. An der Struktur der Oberfläche, erkennt selbst der Laie vulkanische Entgasungskanäle. Der Basalt des geologischen Gartens stammt aus Londorf bei Gießen. Außerordentlich verwitterungsresistent ist der Stein, daher wird er heute für die Rastauration des Kölner Doms benutzt, der aus einem weniger stabilen Stein erbaut wurde und daher erneuert werden muss.
Zum Schluss gibt der Fachmann den Lauschern ein Geheimnis mit auf den Weg: Einige Gerölle, die in Münzenberg gefunden wurden, sind grauadrige Quarzite, sie sind das älteste hessische Sedimentgestein von vor 500 Millionen Jahren (Ordovizium). Aber niemand weiß, woher die Steine stammen. Prall gefüllt mit Informationen zur Erdgeschichte lassen die Besucher ihren Blick schweifen und stellen sich vor, wie es mal war: Tropisches Klima, Meereswogen und ein einsamer Münzenberger Vulkan, der nächste Strand da hinten am Taunus. Kaum zu glauben, dass Pele, die hawaiianische Vulkangöttin, auch hier gehaust haben soll. Übrig bleiben Fragen der Menschheit, wie: Ist Leben an Mineralquellen entstanden, welches waren die ersten urzeitlichen Tiere? Kann die Erde noch einmal als Meteor durch das All toben?
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