4/r9BJ9o3L3IECWxgXlUgxP-jkfpiHEK82IzwdT-28vbYWut ist ein Geschenk - gesellschaftskritische Literatur
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Ich möchte an dieser Stelle auch Bücher besprechen über Menschen, die mich in besonderer Weise in meinem Leben begleitet haben, einer davon ist schon immer Mahatma Gandhi, der zu seinen Lebzeiten Großartiges bewirkt hat und dem jede Art von Verachtung fern war. Auf diese Art fühle ich mich mit ihm verbunden. Abgrenzung und Verachtung beschreibt Arun Gandhi in seinem Buch „Wut ist ein Geschenk“ als einer der Grundsteine für Hass, Krieg und Terror. Von seinem Großvater, Mahatma Gandhi erzählt er, dass er ein sehr einfaches Mittel eingesetzt habe, um zu überprüfen, ob sein eigenes Handeln richtig war oder falsch „Er sagte, wer zweifle, solle sich das Gesicht der ärmsten oder schwächsten Person vorstellen, die er je gesehen habe, und sich dabei fragen, ob der Schritt, den man sich überlege, ihr oder ihm irgendeinen Nutzen brächte. Wird dieser Schritt helfen, mehr Kontrolle über das eigene Leben zu erlangen, mehr Würde oder swaraj (Selbstbestimmung)?“

Das Besondere an dem Buch von Arun Gandhi ist die liebevolle Verbindung mit seinem Großvater, Mahatma Gandhi, mit dem er einige Jahre in seiner Kindheit und Jugend gelebt hat. Arun wuchs wie sein Großvater in Südafrika auf. Er war als Kind ähnlich wie Mahatma sehr wütend und so schickten ihn seine Eltern nach Indien, um von seinem Großvater zu lernen. Arun verbringt mit Bapuji, wie er seinen Großvater liebevoll nennt viele gemeinsame Stunden. Bapuji lehrt seinen Enkel das Spinnen am Spinnrad und während sie ihre Arbeit, die ein Stück Unabhängigkeit bedeutete, verrichten, reden sie über alles, was den Opa und Bapuji bewegt.

Durch die Erzählungen des Enkels wird Bapuji auf besondere Art wieder lebendig und man kann den beeindruckenden Mann erleben, wie ihn nur wenige zu Lebzeiten erleben konnten. Abgesehen von den Grundsätzen der Gewaltlosigkeit, den Überlegungen, was Gewalt überhaupt ist, den Strategien, wie man sich der Gewalt jeden Tag ein bisschen mehr entziehen kann, erzählt Enkel Arun auch von den Schwächen des Großvaters und von seinem Humor. So liebte er es beispielsweise, sich zwischen seinen Enkel und einen jungen Mann zu klemmen, um sich wie ein Kind schaukelnd in die Höhe zu schwingen und laut zu lachen. Bewundernswert empfinde ich nach wie vor, wie unerschrocken Mahatma Gandhi war, wie sehr er es schaffte, seine Angst im Zaum zu halten und in die Brennpunkte von Auseinandersetzung und Gewalt zu gehen, um dort ein Zeichen zu setzen.

Aber das Buch leistet noch viel mehr, denn Arun Gandhi berichtet hier auch von seiner eigenen Arbeit im Gandhi Worldwide Education Institute, von seinem eigenen Bemühen, die Lehren seines Großvaters in die Tat umzusetzen und zieht Parallelen zum heutigen, modernen Leben. Er schreibt, was sein Großvater dazu gesagt hätte und benennt Missstände, mit denen die heutige Politik und Gesellschaft alles andere schafft als Demokratie. Er berichtet von im Schatten stehenden Menschen, die Großes bewirken und von Menschen mit Macht, wie Donald Trump, der als Generaldirektor der Immobilienfirma Trump Management, der noch 1978 trotz gerichtlicher Auflagen keine Wohnungen an Schwarze vermietete. Arun Gandhi appelliert an die Vernunft und daran, „sich das Fremde vertraut zu machen“, denn „solche Menschen werden sich nicht gegen Immigranten aufhetzen lassen oder gar selbst Ausländer als „Gefahr“ bezeichnen, denn sie werden sich vor diesen Menschen nicht fürchten.“

Das Wort war eines der wichtigsten Instrumente für Mahatma Gandhi auf dem Weg in die Unabhängigkeit Indiens und das Wort ist auch für Arun Gandhi höchst bedeutend. Es ist ein Genuss, das Buch zu lesen und sogar ein kleiner Trost für Menschen, die, wie viele in Deutschland, ohne Großvater aufwachsen mussten.

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